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28.11.2019

Pop-up Office

Ein Testballon für die Zukunft der Zusammenarbeit

Foto: Selim SudheimerFoto: Selim Sudheimer

Silodenken, überbürokratische Arbeitsprozesse, Kommunikationsbarrieren – wenn es um das Thema Zusammenarbeit geht, sehen sich wirtschaftlich tätige Akteure unabhängig von Branchenzugehörigkeiten mit ähnlichen Herausforderungen konfrontiert. Jonathan Pengl, Projektmanager Digitales bei Ensemble Resonanz, war Teilnehmer im Pop-up Office im Frühjahr 2018. Hier ging er in einem interdisziplinären Team der Frage nach: Wie wollen wir in Zukunft zusammenarbeiten?

Jonathan, aus welcher Motivation heraus hast du am Pop-up Office teilgenommen?

Jonathan: Mal ein bisschen aus dem Arbeitsalltag rauszukommen und neue Leute kennenzulernen aber auch neue Impulse zum Thema Zusammenarbeit zu bekommen – das war meine Motivation.

Im Pop-up Office hast du ja eine Woche mit Menschen aus ganz unterschiedlichen Geschäftsfeldern und Wirtschaftszweigen zusammengearbeitet. Gab es branchenspezifische Unterschiede in den Arbeitsweisen innerhalb deines interdisziplinären Teams?

Jonathan: Es war interessant mit so vielen verschiedenen Menschen aus verschiedenen Branchen zusammenzuarbeiten – also einerseits mit Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern von großen Konzernen wie Otto, andererseits mit Soloselbstständigen und freischaffenden Kreativen.

Was ich spannend fand, war, dass sich der jeweilige Berufsalltag der einzelnen Teammitglieder abhängig von Branche und Betrieb stark unterschied. Aber: Beim Pop-up Office ging es ja um Herausforderungen bei der alltäglichen Arbeit – und hier gab es sehr viele Überschneidungen. Beim Thema Kommunikation und Zusammenarbeit stießen alle an ähnliche Probleme. Unabhängig von der Branche.

Welche Probleme sind da zu nennen?

Jonathan: Für die größeren Betriebe ging es oft um das Thema der Gestaltung von Kommunikationswegen: Verschiedene Abteilungen kommunizieren nicht miteinander oder die Arbeitsabläufe sind überbürokratisch und ineffektiv. Ein Teilnehmer, der am Theater arbeitet, hat von extremem Silodenken berichtete. Das heißt, dass Abteilungen sich nur um ihren spezifischen Aufgabenbereich kümmerten und es keine abteilungsübergreifende Zusammenarbeit gab. Ja, Kommunikation und Zusammenarbeit – das waren zwei Aspekte, die immer ein Thema sind.

Aber im Pop-up Office ging es auch um solche Situationen wie: Junge motivierte Mitarbeiter kommen in einen Betrieb und haben das Gefühl etwas verändern zu wollen. Und Menschen, die da schon länger arbeiten wollen das nicht, können das nicht oder fühlen sich dadurch bedroht.

Du sprichst hier von Generationskonflikten. Spielt da auch das Thema der alle Wirtschaftszweige durchdringenden digitalen Transformation mit rein?

Jonathan: Natürlich ging es auch um die digitale Transformation: Da gibt es Menschen, die schon lange in einem Betrieb arbeiten und die überfordert sind von technischem Fortschritt. Dann steht man vor der Frage: Inwiefern sind alteingesessene, erfahrene Betriebsmitglieder bereit, sich von jüngeren Betriebsmitglieder helfen zu lassen in technischen Belangen. In dem Fall geht es um Empathie aber auch wieder um die schon bereits erwähnten zentralen Themen Kommunikation sowie generations- und abteilungsübergreifende Zusammenarbeit.

Was konntest du lernen aus deiner Teilnahme am Pop-up Office und der dort erfolgten branchenübergreifenden Zusammenarbeit?

Jonathan: Aus meiner Teilnahme zog ich vor allem die Erkenntnis, dass ganz verschiedene Menschen in ganz verschiedenen Branchen am Ende vor ähnlichen Problemen und Herausforderungen stehen – das hat auf mich am meisten Eindruck gemacht. Man merkt, dass das Thema der Gestaltung von Zusammenarbeit ein Aspekt ist, der in jedem Berufsfeld eine Rolle spielt.

Ich fand das Pop-up Office sehr stark und inspirierend – wir haben viele verschiedene Methoden, Denkweisen und Haltungen an die Hand bekommen, um eben genau diese Hürden und Barrieren überwinden zu können. Das Pop-up Office ist im Grunde ein kleiner Testballon mit ganz vielen Menschen, die sich nicht kennen und die ganz verschiedene Hintergründe haben. Und am Schluss kommt dennoch ein Produkt oder ein Ergebnis heraus, das man gemeinsam produziert hat. Das Pop-up Office ist damit eine Art Mini-Versuchslabor für die Probleme, die überall in der Arbeitswelt bestehen.

Danke für das Gespräch, Jonathan!

Jonathan Pengl ist studierter Cellist und Kulturmanager. Für das Hamburger Ensemble Resonanz betreute er Konzeption, Entwicklung und Launch der digitalen Spielstätte resonanz.digital. Aktuell ist er für die Weiterentwicklung dieses Projektes zuständig.

 

Über das Pop-up Office

Wie verändert sich die Arbeitswelt in unterschiedlichen Wirtschaftszweigen? Kann die Kreativwirtschaft mit ihren eigenen Arbeitskulturen eine Vorreiterin sein? Mit dem Pop-up Office haben wir ein neues Format entwickelt, das sich diesen Fragen praktisch nähert: Kreative entwickeln gemeinsam Angestellten aus Unternehmen verschiedenster Branchen und Größenordnungen neue Lösungen, wie Zusammenarbeit innerhalb von und über die Grenzen komplexer Organisationsformen hinweg gestaltet werden kann. Eine gesamte Arbeitswoche nehmen sich die Teams Zeit, um bestehende Strukturen zu reflektieren und neue Ansätze zu entwickeln. 

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