25.3.2018

Berufseinstieg

Ein Schritt "wie der Auszug aus dem Elternhaus"

Fotografin: Kathrin SpirkFotografin: Kathrin Spirk

Victoria hat gekündigt – ihrer kreativen Freiheit zuliebe gab die Interface Designerin die Sicherheit ihrer Festanstellung bei einer renommierten Internetagentur auf. Der eigene Chef sein, autonom entscheiden, wann, wie, wo und mit wem gearbeitet wird – was sich wie ein großes Abenteuer liest, kann schnell zum Fiasko werden, wenn das existenzsichernde Know-how fehlt. Auch Victoria bangt es vor der Verantwortung: „Für mich fühlt sich der Schritt in die Selbständigkeit an wie der Auszug aus dem Elternhaus.“

Wie Victoria waren zuletzt 32 Prozent der knapp 87.500 Erwerbstätigen in der Hamburger Kreativwirtschaft selbstständig tätig (Kreativwirtschaftsbericht 2016). Ungeachtet dieser Zahl wird in vielen kreativen Studiengängen noch immer zu wenig gründungsrelevantes Wissen vermittelt. Auch außerhalb des akademischen Kontextes sind Beratungsangebote rar gesät. „Ich habe ziemlich viele Fragen“, erklärt Victoria. „Mir fehlt es an Beispielen, wie man als selbständig Kreative erfolgreich wird.“

„Wenn man gründet braucht man nicht nur eine Idee, sondern auch ein Problem“

„Kreative“ – acht Buchstaben, ein Wort, hinter dem sich aber eine schier unüberschaubare Vielfalt verbirgt: Die Kreativwirtschaft unterteilt sich in elf Teilmärkte und entsprechend divers gestalten sich die Berufsbilder. Gemeinsamkeiten finden sich bezüglich der Hürden, die Selbständige zu bewältigen haben. So tun sich gerade Kreativschaffende schwer, den Wirtschaftlichkeitsgedanken in ihre Arbeit zu integrieren. Dabei ist die Fähigkeit sich und sein Angebot zu vermarkten laut Catharina Bruns, Autorin und Gründerin von workisnotajob, genauso relevant wie ein originelles Geschäftskonzept: „Wenn du erfolgreich sein willst, musst du den Unternehmer und den Kreativen in dir fassen.“

Zum Unternehmertum gehört neben betriebswirtschaftlicher Expertise auch die Kompetenz, den Benefit seines Produkts benennen und bewerben zu können: „Wenn man gründet, braucht man nicht nur eine Idee, sondern auch ein Problem“, stellt Bruns klar. Doch vielen Kreativen fällt es schwer den Nutzen ihrer Dienstleistung zu definieren. Auch in Kulturwissenschaftlerin und Illustratorin Neele sträubt es sich: „Ich weiß, dass das total wichtig ist, aber ich merke diesen Widerstand – wo ist der Nutzen im Schönen?“

„Entrepreneurship hat mehr mit Kunst als mit BWL zu tun!“

Um den Weg in die Selbständigkeit zu ebnen, bot die Hamburg Kreativ Gesellschaft im Rahmen einer fünftätigen Spring School im März 2018 rund einem Dutzend Berufseinsteiger/innen die Gelegenheit, offene Fragen zu klären und sich mit dem nötigen Werkzeug zu rüsten: Auf dem Stundenplan standen neben Workshops zu Preiskalkulationen, Verhandlungstechniken oder Akquise-Methoden auch Freiräume für den Austausch mit Expert/innen und Gleichgesinnten. Diese Gespräche ermöglichten den Teilnehmenden nicht nur das eigene Netzwerk zu vergrößern, sondern auch die Gelegenheit, sich gegenseitig zu ermutigen.

Beim abschließenden Frühstück ist die Stimmung unbeschwert. Alle plaudern und lachen. Mittendrin sitzt Bruns, die selbst seit acht Jahren selbstständig ist. Sie wirkt entspannt und man sieht ihr die Zufriedenheit an. Vermarktungskompetenzen könne jeder erwerben, betont sie. Doch am Ende sei die Passion für das eigene Projekt bedeutsamer als ein Wirtschaftsstudium: „Entrepreneurship hat mehr mit Kunst als mit BWL zu tun!“

 

Über die Spring School

Wie starte ich als Selbstständige/r in meinen Beruf in die Kreativwirtschaft? Mit dieser Fragestellung beschäftigten sich die Teilnehmenden unserer diesjährigen Spring School. Das Format begann mit einer Input-Woche im März, während der Expert/innen den Teilnehmenden berufsbezogenes Wissen vermittelten. Aufbauend finden moderierte Nachtreffen mit den Teilnehmenden statt, um eine dauerhafte Plattform zum Erfahrungsaustausch zu etablieren.

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